02/06/2026 0 Kommentare
Kirche im Kiez – Ökumenischer Gottesdienst im Bahnhof Jungfernheide
Kirche im Kiez – Ökumenischer Gottesdienst im Bahnhof Jungfernheide
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Kirche im Kiez – Ökumenischer Gottesdienst im Bahnhof Jungfernheide
„Losgelöst und frei“ – unter diesem Thema feierten am Sonntagabend rund 70 Menschen einen ungewöhnlichen Gottesdienst an einem ungewöhnlichen Ort: mitten im Bahnhof Jungfernheide, im Durchgang zu den S- und Regionalzügen.
Eingeladen hatten die christlichen Gemeinden der Mierendorff-Insel: die evangelische Gustav-Adolf-Gemeinde, die katholische Pfarrei Märtyrer von Berlin, die Presbyterian Church of Ghana, die syrisch-orthodoxe Gemeinde Mor Afrem sowie die Neuapostolische Kirche Berlin-Charlottenburg. Gemeinsam gestalteten die Geistlichen und Gemeinde-Vertreter*innen den ökumenischen Gottesdienst und machten sichtbar, was im Alltag oft verborgen bleibt: Christinnen und Christen verschiedener Traditionen sind miteinander unterwegs und halten gemeinsam inne.
Der Bahnhof als Gottesdienstraum erwies sich dabei als passender Ort. Menschen waren auf dem Weg nach Hause, zur Arbeit, zu Freunden oder auf Reisen. Manche blieben nur wenige Sekunden stehen, andere hörten länger zu oder sangen spontan mit. Immer wieder mischten sich Passantinnen und Passanten unter die Teilnehmenden.
Musikalisch begleitet von E-Piano und Violine erklangen bekannte Lieder wie „Du bist da, wo Menschen leben“. In Lesungen und Impulsen stand die Frage im Mittelpunkt, wie Glaube Menschen frei machen kann – frei von Angst, frei für Verantwortung, frei für die Mitmenschen und die Welt. Verschiedene Gemeindemitglieder teilten persönliche Gedanken dazu, wie ihr Glaube ihnen hilft, losgelöst und frei zu leben. Auch die Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, ihre Antworten auf Post-its festzuhalten. Auf dem Flipchart sammelten sich Begriffe wie Zuversicht, Gemeinschaft, Liebe, Gott, Nächstenliebe, Familie oder einfach die Lieblingsmusik.
Ein besonderer Moment war das auf Aramäisch gesungene Vaterunser, während die Teilnehmenden eingeladen waren in ihrer Sprache leise mitzusprechen. Es verband die unterschiedlichen christlichen Traditionen auf eine Weise, die vielen lange in Erinnerung bleiben dürfte. Es wurden Segenskekse verteilt – kleine Botschaften zum Mitnehmen, die ähnlich wie Glückskekse einen persönlichen Segensspruch enthielten.
Wer hinter den Gottesdienst-Teilnehmenden stand, konnte beobachten, wie vielfältig die Reaktionen der Vorübergehenden waren. Viele zeigten sich überrascht, manche neugierig. Mehrfach wurde ausdrücklich gewürdigt, dass die Gemeinden ökumenisch zusammenarbeiten. Zwei junge Leute stimmte sofort in die Lieder ein, die sie noch aus der Konfirmandenzeit kannten. Eine ältere Reisende, deren Zug Verspätung hatte, kam sogar mehrfach zurück und meinte schmunzelnd, sie sei der Deutschen Bahn an diesem Abend ausnahmsweise dankbar, weil sie dadurch dieses Erlebnis mitbekommen habe. Andere erzählten spontan von ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft oder suchten das Gespräch.
Der Gottesdienst machte aber auch deutlich, dass Kirche im öffentlichen Raum eine besondere Form der Aufmerksamkeit braucht. Wer vorbeikommt, weiß nicht automatisch, was gerade geschieht. Umso wertvoller waren die Mitwirkenden, die auf Passantinnen und Passanten zugingen, Liedblätter verteilten, Fragen beantworteten und zum Mitfeiern einluden. Kirche wird dort besonders sichtbar, wo Begegnung entsteht.
Hinter den Kulissen war einiges an Organisation notwendig. Technik, Aufbau und kurzfristige Anpassungen – etwa bei der Stromversorgung – verlangten Flexibilität und Engagement vieler Beteiligter. Umso schöner war es zu erleben, wie am Ende alles zusammenkam.
Oder, wie es eine Teilnehmerin nach dem Gottesdienst formulierte: „Ein sehr schöner Gottesdienst, der mir sehr viel Freude gemacht hat. Hinterher gab es viele strahlende und zufriedene Gesichter. Und ich selber war beseelt.“ Vielleicht beschreibt das die Stimmung dieses Abends am treffendsten: Mitten im Alltag, zwischen Bahnsteigen und eiligen Schritten, entstand für eine knappe Stunde ein Ort der Gemeinschaft und des Glaubens. Losgelöst und Frei.
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